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Notgeld

Notgeld tauchte während des Ersten Weltkrieges als Reaktion auf die wachsende Bargeldknappheit auf. Wegen der Kriegsanstrengungen wuchs damals der Bedarf an Metall so gewaltig, dass keine neuen Münzen mehr geprägt werden konnten. Bald war der Metallwert jener Geldstücke, die noch im Umlauf waren, höher als ihr Nennwert, sodass die Banken sie horteten. Der massive Mangel an Münzgeld zwang einige Kommunen, für die Händler und Unternehmen vor Ort große Mengen von Banknoten mit geringen Nennwerten zu drucken. Dieses "Notgeld" war zwar kein offizielles dafür aber ein allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel. Außer auf Papier druckte man Notgeld auch auf Seide, Leder, Leinen, Folie, Porzellan, Spielkarten, ja sogar auf Kohle. Aufgrund seiner leuchtenden Farben und ungewöhnlichen Gestaltung wurde es schnell zu einem beliebten Sammelobjekt, wie Briefmarken, und so produzierte man auch nach dem Krieg weiter Notgeld. Da man die Scheine häufig für mehr als ihren Nennwert verhandeln konnte, war Notgeld ein gutes Geschäft für die Städte, die es druckten.

Die Reparaturzahlungen Deutschlands an die Siegermächte führten bald nach Kriegsende zu einer Inflation und die Mark begann 1922 an Wert zu verlieren. Die Zentralbank sah sich gezwungen, ständig neue Banknoten mit immer höheren Nennwerten auszugeben: erst Hunderter-, dann Tausender-, dann Hunderttausender- und schließlich Millionen- und sogar Milliardenscheine. Da die Bank aber nicht in der Lage war, rein physisch ausreichend Geld in Umlauf zu bringen, wurden erneut enorme Mengen Notgeld gedruckt. Meist waren es Markscheine – es gab aber auch einige Scheine, deren Wert in Rohstoffen beziffert oder an andere Währungen wie den US-Dollar gekoppelt war. Auf dem Höhepunkt der galoppierenden Inflation aber war das Notgeld als Zahlungsmittel im Grunde wertlos geworden, und so kam es, dass man es für andere Zwecke einsetzte: als Brennstoff, als Tapete und für Textilien.

Oktober 1923